Crowdsourcing gegen Stau – wie die Crowd Mexiko-Stadts Straßen freimachen soll

Noch vor Shanghai ist Mexiko-Stadt die größte Stadt der Welt. In der Metropolenregion leben über 20 Millionen Menschen. Die Verkehrsplanung ist seit Jahren überlastet und eine der urbanen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft: Wie kommen die Menschen schnell von A nach B? Und das bei neun Millionen registrierten Fahrzeugen? Täglich stehen alleine die Bewohner des... Read more »

Noch vor Shanghai ist Mexiko-Stadt die größte Stadt der Welt. In der Metropolenregion leben über 20 Millionen Menschen. Die Verkehrsplanung ist seit Jahren überlastet und eine der urbanen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft: Wie kommen die Menschen schnell von A nach B? Und das bei neun Millionen registrierten Fahrzeugen? Täglich stehen alleine die Bewohner des Stadtteils Santa Fe rund 2,5 Stunden im Stau. Nicht verwunderlich, dass genau hier die Crowdsourcing-Idee des Stadtplaners, Architekten und Harvardprofessors José Castillo umgesetzt wird. Im November gewann er mit seinem Team den Audi Urban Future Award.

Crowddaten sollen Staus verhindern

Die Idee von Castillo: Verkehrsteilnehmer teilen ihre Bewegungsdaten, wenn sie unterwegs sind. So sollen neue, innovative Wege gefunden werden, das Stauproblem von Mexiko-Stadt zu lösen. Die Daten bilden die Grundlage: Aus ihnen wird ersichtlich, zu welchen Zeiten die Straßen wo besonders stark belastet sind. Die Informationen der Verkehrsteilnehmer werden außerdem durch Daten von Unternehmen, Transportbetrieben und städtischen Institutionen ergänzt. Folglich sollen sich Pendler zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen, zu staufreieren Zeiten fahren oder das Auto gleich stehen lassen und auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Soweit die Theorie. Ob Big Data tatsächlich Stau verringern kann, bleibt abzuwarten. Castillo ist sich seiner Idee sicher, seit September befindet sich das Projekt in einer ersten Testphase. Bisher wurden 14.000 Datensätze erhoben, erste Effekte sollen bald spürbar werden. Die Verursacher des Stauchaos in Mexiko City, die Pendler, werden somit vom Problemauslöser zum Problemlöser.

Pendler verbringen 4,5 Jahre im Stau

Gerade in Mexiko-Stadt müssen neue Ideen her, wie man den Stau effektiv reduzieren kann. Zeit seines Pendlerlebens verbringt ein Einwohner der Megacity 4,5 Jahre im Stau. Die Durchschnittsgeschwindigkeit zur Rushhour beträgt sechs km/h. Dies ist nicht nur für den Einzelnen nervenaufreibend, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Von der Umweltverschmutzung einmal ganz abgesehen.
Deutlich wird, wie wertvoll und nützlich Crowdsourcing sein kann. Castillo ist sich bewusst, dass seine Idee alleine nicht das massive Stauproblem beseitigen kann, wohl aber kann man das Problem veranschaulichen und Lösungen aufzeigen. Er und sein Team sind sich sicher, dass ihre Methode auch in anderen Metropolen der Welt zur Staureduzierung beitragen kann. Besonders stark wachsende Städte mit ihrem schwer kontrollierbarem Bevölkerungswachstum könnten von der Methode profitieren: Wo die Infrastruktur dem Drang der Menschen weg vom Land, hinein in die Stadt, nicht hinterherkommt, braucht es innovative Ideen. Crowdsourcing ist eine Möglichkeit, nachhaltig zur Verbesserung der Situation beizutragen.

 

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