Crowdsourcing hilft Blinden und Sehbehinderten im Alltag

Das Crowdsourcing nicht nur Firmen Vorteile bietet, sondern auch den Alltag abseits von Unternehmen positiv beeinflussen kann, zeigt das folgende Beispiel. Mittels einer in Dänemark entwickelten App können Sehende Blinden und Sehbehinderten bei alltäglichen Herausforderungen helfen. Inhalt Crowdsourcing hilft Blinden und Sehbehinderten im Alltag Crowdsourcing in seiner nützlichsten Form Crowdsourcing hilft Blinden und Sehbehinderten im... Read more »

Das Crowdsourcing nicht nur Firmen Vorteile bietet, sondern auch den Alltag abseits von Unternehmen positiv beeinflussen kann, zeigt das folgende Beispiel. Mittels einer in Dänemark entwickelten App können Sehende Blinden und Sehbehinderten bei alltäglichen Herausforderungen helfen.

Inhalt

Crowdsourcing hilft Blinden und Sehbehinderten im Alltag
Crowdsourcing in seiner nützlichsten Form

Crowdsourcing hilft Blinden und Sehbehinderten im Alltag

Bei Hilfe für Blinde und Sehbehinderte denken die meisten an akustische Signale an Ampeln oder an die Sprachsteuerung vom Smartphone, nicht aber an Crowdsourcing. Wer blind ist, scheitert oft schon an den eigentlich kleinen Herausforderungen des Alltags: Den Gaszähler ablesen, die AGBs von Verträgen studieren oder einen Brief lesen. Zwar konnte die Digitalisierung helfen, beispielsweise mit Vorlesefunktionen für digitale Dokumente, aber in der analogen Welt gibt es Probleme, welche die Blinden alleine oft nicht lösen können. In solchen Situationen müssen sie meist warten, bis jemand Drittes kommt, um ihnen zu helfen. Diese Barriere mittels Crowdsourcing zu überwinden war die Intention der Macher hinter der dänischen App „Be my Eyes“.

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Blinde und Sehbehinderte finden, nach Sprache und Zeitzone gefiltert, Helfende, die sie dann bei Alltäglichem unterstützen. Dazu wird über die App eine Videoverbindung aufgebaut: Der Blinde schildert sein Problem, der Sehende kann über die Kamera der App sofort helfen.
Erst Mitte Januar wurde die App im Appstore veröffentlicht und schon nach zehn Tagen konnte den knapp 9000 registrierten Sehbehinderten fast 25.000 mal geholfen werden. Das machen über 100.000 registrierte sehende Nutzer möglich.

Be my Eyes ist nicht die einzige App, die Blinden und Sehbehinderten den Alltag erleichtern kann, aber eine der wenigen, bei denen Crowdsourcing genutzt wird.
Apple beispielsweise bietet mit der Voice Over Funktion in seinen iPhones ab Werk eine Sprachausgabe, die es auch Blinden ermöglicht den Touchscreen zu nutzen. Ähnliches gibt es auch für Android-Geräte. TextDetektiv beispielsweise liest abfotografierten Text vor, Apps wie iLupe helfen Sehbehinderten zum Beispiel beim Lesen der Speisekarte.

Crowdsourcing in seiner nützlichsten Form

Die Crowd von „Be my Eyes“ ist ein perfektes Beispiel für dass, was mit Crowdsourcing möglich ist: Die Masse hilft unbürokratisch, schnell, länderübergreifend. Blinde können ihre Helfer außerdem bewerten und so Missbrauch vermeiden.
Die gesamte App ist dabei als Non-Profit-Projekt angelegt: Die Sehenden bekommen keine Entschädigung für Hilfe, die blinden Nutzer müssen nicht für den Service zahlen. Die App selber wurde von der Velux-Stiftung finanziert und kann kostenlos aus dem Appstore geladen werden. Gründer Hans Jørgen Wiberg erklärte in einem Interview, dass Geld verdienen nicht die Intention der App ist, wenngleich der Betrieb und die Weiterentwicklung natürlich Geld kosten. So soll es unter anderem bald eine Version für Android-Geräte geben. Auch eine Windows-Version ist angedacht. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne konnten bereits 450 Geldgeber motiviert werden. Die Finanzierung ist bis Ende 2015 gesichert. Wie es dann weitergeht, ist noch offen.

 

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