So hilft der Crowd-Ansatz Flüchtlingen

Die Flüchtlingskrise stellt die europäischen Gesellschaften und Politiker vor die Aufgabe, neue Lösungsansätze zu erarbeiten. Von großen strukturellen Fragen wie der gerechten, europaweiten Verteilung der Geflüchteten bis zum Erstarken rechtspopulistischer Parteien ergeben sich unterschiedlichste Problemfelder, die bearbeitet werden müssen. Doch auch die Partizipationsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft werden in einer globalisierten und vernetzten Welt größer. Beispielsweise... Read more »

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Die Flüchtlingskrise stellt die europäischen Gesellschaften und Politiker vor die Aufgabe, neue Lösungsansätze zu erarbeiten. Von großen strukturellen Fragen wie der gerechten, europaweiten Verteilung der Geflüchteten bis zum Erstarken rechtspopulistischer Parteien ergeben sich unterschiedlichste Problemfelder, die bearbeitet werden müssen.
Doch auch die Partizipationsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft werden in einer globalisierten und vernetzten Welt größer. Beispielsweise mit den unterschiedlichen Crowd-Ansätzen wie Crowdfunding oder Crowdsourcing.

Wir möchten Ihnen hier einige Beispiele zeigen, wie diese Ansätze konkret aussehen – und Sie natürlich auch zum Mitmachen motivieren!

 

Inhalt

1. Refugee Air – per Flugzeug nach Europa
2. Crowdfunding hilft Flüchtlingen auf dem Weg
3. Die Unsichtbaren sichtbar machen
4. Fazit

 

1. Refugee Air – per Flugzeug nach Europa

2015 sind bereits fast 3000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen. Ganz sicher aber sind es deutlich mehr Ertrunkene als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die Überfahrt in kleinen, unsicheren Booten gilt als der riskanteste Teil der ganzen Flucht.

Die schwedische Initiative Refugee Air gibt Flüchtlingen die Möglichkeit, diesen lebensgefährlichen Weg gar nicht erst antreten zu müssen und stattdessen direkt aus ihren Heimatländern per Flugzeug nach Europa flüchten zu können. Die Macher argumentieren, dass es zum einen für die Flüchtlinge sicherer und günstiger ist, zum anderen bringt es aber auch den Zielstaaten Vorteile. Beispielsweise könne viel genauer kontrolliert werden, wer einreist. Letztendlich profitieren alle Seiten – bis auf die kriminellen Schleuser.
Das Problem bei der Flugreise: Bekommt der Geflüchtete kein Asyl, muss die Fluggesellschaft die Kosten für den Rücktransport tragen. Genau hier setzt die Idee von Refugee Air an; die Kosten für einen eventuellen Rückflug werden von der Initiative übernommen, um so die Fluggesellschaften dazu zu animieren mehr Flüchtlinge zu transportieren. Die Kosten hierfür tragen die Initiatoren teilweise selber, aber auch mittels Crowd-Kampagnen wird Geld gesammelt. Auch ein Teil der Organisationsstruktur bei Refugee Air basiert auf Crowdsourcing.

 

2. Crowdfunding hilft Flüchtlingen auf dem Weg

Die meisten Flüchtlinge kommen nach wie vor über das Mittelmeer nach Europa. Für viele sind die griechischen Inseln wie Lesbos, Chios und Kos der erste Anlaufpunkt. Das sowohl Behörden wie auch Bewohner mit der Versorgung der Flüchtlinge überfordert sind ist nachvollziehbar. Auf Crowdfunding-Seiten wie betterplace gibt es daher diverse Spendenprojekte, die sich gezielt um gerade angelandete Flüchtlinge kümmern, sie mit Nahrung und erster Nothilfe versorgen.

Eine Übersicht aller Flüchtlingsprojekte bei betterplace gibt es hier.

Ein ähnlicher Ansatz wurde auf Kickstarter in Zusammenarbeit mit der US-Regierung und dem UNHCR durchgeführt. Durchschnittlich gab ein Spender 67 $. So kamen fast 1,8 Millionen US-Dollar für syrische Flüchtlinge zusammen.

 

3. Die Unsichtbaren sichtbar machen

Mit dem Projekt „Die Unsichtbaren“ möchte die Journalistin Annika Joeres das Schicksal der vielen bereits angekommenen Flüchtlinge sichtbar machen, die sich illegal in Europa aufhalten. Für viele Wirtschaftszweige, beispielsweise Gastronomie und Bauunternehmen unverzichtbar, werden sie von der Öffentlichkeit meist nicht wahrgenommen. Was sind ihre Geschichten, Sorgen, Nöte?

Mittels eines Crowdfunding-Projektes wurde bereits Anfang 2015 Geld gesammelt. Nun geht es darum, die Geschichten sichtbar zu machen. Dafür wurde ein Fragebogen für illegal in Europa lebende Flüchtlinge online gestellt, der in mehreren Sprachen verfügbar ist. Ziel ist, dass dieser Fragebogen von mehreren Tausend Personen ausgefüllt wird, um so Rückschlüsse auf deren Lebensumstände machen zu können.

 

4. Fazit

Die Crowd-Ansätze bieten einerseits neue Möglichkeiten der Organisationsstruktur bei Hilfsprojekten, wie beispielsweise bei der Initiative Refugee Air, andererseits können auch kleine, unabhängige Projekte wie die Erstversorgung von Flüchtlingen auf den griechischen Inseln schnell und reichweitenstark ausfinanziert werden. Im dokumentarischen Bereich wird es mit den Crowd-Ansätzen möglich, Seiten der Krise zu zeigen, denen im klassischen Journalismus nicht der Umfang zukommt, der notwendig ist.

Von der Flüchtlingskrise ist jeder in Europa betroffen – ob direkt oder indirekt. Nur zusammen ist eine Lösung möglich. Jedem Einzelnen ist es mittels Crowd-Kampagnen möglich zu helfen.

 

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