Crowdsourcing ohne Profit-Gedanken: Wir stellen 8 Projekte vor, die die Welt verbessern

Auf der Welt leben ca. 7,77 Milliarden Menschen, und nicht nur in Großstädten, sondern auch über die Kontinente hinweg sind wir bestens miteinander vernetzt. Dieses gigantische soziale Netzwerk birgt ein enorm hohes Potenzial: Das Potenzial, Gutes zu tun. Crowdsourcing nutzt genau diese Ressource „Netzwerk“. Auf diese Weise können viele Unterstützer weltweit bei der Verwirklichung von... Read more »

Auf der Welt leben ca. 7,77 Milliarden Menschen, und nicht nur in Großstädten, sondern auch über die Kontinente hinweg sind wir bestens miteinander vernetzt. Dieses gigantische soziale Netzwerk birgt ein enorm hohes Potenzial: Das Potenzial, Gutes zu tun. Crowdsourcing nutzt genau diese Ressource „Netzwerk“. Auf diese Weise können viele Unterstützer weltweit bei der Verwirklichung von großen und kleinen Projekten helfen. Dass es dabei nicht immer nur um Profit geht, zeigen die folgenden acht Projekte.

Crowdsourcing dort, wo es dringend gebraucht wird – Beispiel Indien

Das staatliche Gesundheitssystem in Indien ist für viele Menschen nicht ausreichend. Kostspielige Behandlungen im Krankenhaus sind für die Normalbevölkerung kaum zu stemmen. Um so wichtiger ist es, dass es Plattformen gibt, auf denen Betroffene Fundraising-Projekte ins Leben rufen können. Eine dieser Plattformen ist Milaap (milaap.org). Gegründet wurde die Crowdfunding-Plattform bereits im Jahr 2002. Nach heutigem Stand haben dort bereits über 250.000 Menschen eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Dabei wurden insgesamt über 135 Millionen US-Dollar gespendet. Hürden in Form von Gebühren gibt es nicht – Milaap ist komplett kostenfrei. Wer spenden will, kann dies in über 15 verschiedenen Kategorien tun, wie z. B. Medizin, Bildung oder Gedenkfeiern.

Eine weitere Plattform dieser Art ist Ketto (ketto.org). Auch hier steht der Non-Profit-Gedanke an erster Stelle. Hauptsächlich dient die Plattform Spendenaktionen im Gesundheitssektor. Unterstützer können z. B. in Fällen von bestimmten Krankheiten spenden, wie Krebs oder Lungen- und Herzkrankheiten. So kann ein Großteil der Behandlungskosten gedeckt werden. Aktuell gibt es zudem viele Fundraising-Aktionen für Menschen, die durch die Corona-Pandemie in eine Notlage geraten sind. Auch für Kinder, Tiere und Sportinitiativen werden Spenden gesucht.

Etwas in der Welt bewegen – diese Plattformen machen’s möglich

Inspirationen, um sich wirkungsvoll ins Weltgeschehen einzubringen, findet man definitiv hier: bei causes.com. Causes ist vor allem ein soziales Netzwerk, in dem man sich über gesellschaftliche Themen austauschen und beispielsweise neue Gesetzesentwürfe bewerten kann. Der User kann selbst entscheiden, welche Themen er oder sie abonniert, um dann mitzudiskutieren. Von Bürgerrechten über Umwelt, Bildung und Gesundheit bis hin zu Steuerthemen ist alles dabei. Unabhängig davon bleibt man durch den Newsfeed immer auf dem Laufenden, was gesellschaftsrelevante Themen betrifft.

Wer sich noch nicht sicher ist, wofür er sich engagieren könnte, sollte sich bei Start Some Good (startsomegood.com) umsehen. Hier warten die verschiedensten Crowdfunding-Projekte auf Unterstützer – und bekommen sie meist auch. Die Crowd ist hier gefragt, wenn es um Tier- und Menschenrechte geht, um Umwelt, Kunst und Kultur, Ernährung, Kinder und Jugendliche und viele mehr. Ein Plus: die Crowdfunding Academy. Hier erhält man in einem fünfteiligen E-Mail-Kurs wertvolle Tipps rund um das Crowdfunding im Non-Profit- und sozialen Sektor.

Crowdsourcing ohne Profit in Deutschland – drei Beispiele

Seit 2014 gibt es den gemeinnützigen Berliner Verein Mein Grundeinkommen (mein-grundeinkommen.de). Dieser verlost regelmäßig bedingungslose Grundeinkommen. Die Gewinner erhalten ein Jahr lang 1.000 Euro monatlich. Finanziert werden die Grundeinkommen durch Crowdfunding. An den Verlosungen kann jeder teilnehmen, unabhängig davon, ob er spendet oder nicht. Seit 2014 wurden bereits 668 Grundeinkommen verlost – auch an Kinder. Nun geht der Verein den nächsten Schritt und startet im Jahr 2021 ein Pilotprojekt, in welchem 120 Menschen drei Jahre lang ein monatliches Grundeinkommen erhalten.

Kooperationspartner von Mein Grundeinkommen e.V. ist der Verein Sanktionsfrei (hartzbreaker.sanktionsfrei.de). Mit einer Crowdfunding-Kampagne im Jahr 2015 sammelte der Verein 130.000 Euro. Mit dem Geld wurde eine Plattform ins Leben gerufen, auf der Hartz 4-Empfänger kostenlos und automatisiert Sanktionen widersprechen können. Vom Jobcenter verhängte Sanktionen werden von Sanktionsfrei e.V. finanziell ausgeglichen. Um den Einspruch gegen Sanktionen kümmert sich ein Anwaltsteam. All diese Leistungen funktionieren aufgrund von Spenden. Genauso wie bei Mein Grundeinkommen handelt es sich auch bei Sanktionsfrei sozusagen um ein dauerhaftes Crowdfunding-Projekt. Beide Projekte sind kein Selbstzweck, sondern haben die Vision, das bedingungslose Grundeinkommen in der Gesellschaft zu etablieren.

Ein weiteres Non-Profit-Projekt, das mithilfe einer aktiven Crowd funktioniert, ist Too Good To Go (toogoodtogo.de). Mittels einer App erfährt man, in welchen Geschäften in der Nähe Essen übrig geblieben ist. Das kann man sich (meist sogar für einen günstigeren Preis) abholen. So kann jeder dazu beitragen, einwandfreies Essen vor dem Müll zu retten. Dadurch wird die Umwelt geschont und die Geschäfte werden unterstützt. Wen das noch nicht motiviert, der kann einen Blick auf die Zahlen werfen. Auf der Webseite verrät das Team: Bisher wurden mithilfe der Crowd an Lebensmittelrettern über 45 Millionen Mahlzeiten vor dem Müll bewahrt und mehr als 100.000 Tonnen CO² eingespart.

 

Gegen Food Waste: Too Good to Go

 

Mit Stoff und freiwilligen Helfern durch die Krise

Vor kurzem haben wir bereits zahlreiche Möglichkeiten aufgelistet, auf welche Weise Crowdsourcing im Kampf gegen die Pandemie sinnvoll eingesetzt werden kann.

Das letzte Beispiel von einer Crowd aus helfenden Händen ist ein sehr aktuelles. Durch die Corona-Pandemie, die sich rasend schnell ausgebreitet hat, fehlte es anfangs überall an Masken. Es dauerte nicht lange, bis etliche Freiwillige begannen, Masken zu nähen – für die Familie, Freunde, Bekannte oder Fremde. Auf Facebook sind mehrere Gruppen entstanden, in denen sich die freiwilligen Näher mit anderen Menschen vernetzen. Viele bieten ihre selbst genähten Masken kostenlos an. Dieses Beispiel zeigt: Eine Crowd kann auch ohne finanzielle Mittel oder eigene Plattform entstehen, sich vernetzen und Gutes tun.

Diese acht Beispiele zeigen: Crowdsourcing muss nicht immer von großen Unternehmen angeschoben werden. Auch Projekte, die als kleine Idee beginnen, können z. B. per Crowdfunding schnell realisiert werden. Dort wo es an staatlicher Initiative fehlt, können Menschen die Sache selbst in die Hand nehmen. So kann eine Crowd notwendige Krankenhausbehandlungen finanzieren, den Traum vom Grundeinkommen für andere Wirklichkeit werden lassen oder der Lebensmittelverschwendung etwas entgegensetzen. Dies sind nur wenige von zahlreichen Beispielen, wie wir Menschen etwas bewirken können, wenn wir zusammenarbeiten – und das ganz ohne Profit-Gedanken.

Schlagwörter: ,