Case Study: Transkription und Georeferenzierung von Flurnamen

Crowd Guru unterstützt die Universität Rostock bei der digitalen Erschließung analoger Archive. Überblick Flurnamen, d. h. Ortsnamen und Landschaftsnamen, sind historisch bedeutsam. Sie liefern wichtige Informationen für die Kulturlandforschung, Sprachwissenschaft und Volkskunde. Zu diesen Informationen zählen unter anderem geografische, topologische Informationen, sprachliche Entwicklung, Formen der landwirtschaftlichen Nutzung oder auch historische Ereignisse. Zwischen 1907 und 1923... Read more »

Crowd Guru unterstützt die Universität Rostock bei der digitalen Erschließung analoger Archive.

Überblick

Flurnamen, d. h. Ortsnamen und Landschaftsnamen, sind historisch bedeutsam. Sie liefern wichtige Informationen für die Kulturlandforschung, Sprachwissenschaft und Volkskunde. Zu diesen Informationen zählen unter anderem

  • geografische, topologische Informationen,
  • sprachliche Entwicklung,
  • Formen der landwirtschaftlichen Nutzung oder auch
  • historische Ereignisse.

Zwischen 1907 und 1923 hat die Mecklenburgische Flurnamenkommission Flurnamen gesammelt und archiviert. Aufgrund weitreichender Zerstörungen im ersten Weltkrieg ist heute nur noch ein Bruchteil dieses Flurnamenbestands im Mecklenburgischen Flurnamenarchiv (FNA) erhalten.

Durch die Digitalisierung sind die erhaltenen Flurnamen seit 2010 in der Graph-Datenbank WossiDiA zugänglich. Bei dem archivierten Bestand handelt es sich um Messtischblätter, Handzeichnungen und lokale Flurkarten, die überwiegend in Sütterlin- und Kurrentschrift beschriftet sind.

Unser Kunde – Die Universität Rostock

Das Institut für Volkskunde und der Lehrstuhl für Datenbank- und Informationssysteme der Universität Rostock hat Crowd Guru mit der Transkription und Verortung der Flurnamen beauftragt. Ziel ist  es, die handschriftlichen Flurnamen zu transkribieren sowie die Geopositionen im Mecklenburgischen Flurnamenarchiv digital bereitzustellen.

Das Projekt ist Teil der Bachelorarbeit von Martin Lichtwark. Darin untersucht er, inwiefern sich eine Crowd-basierte Lösung für die Digitalisierung des Mecklenburgischen Flurnamenarchivs eignet.

Die Aufgabe

Die Aufgabe besteht aus zwei Teilschritten:

Schritt 1: Die Flurnamen werden von den Gurus mit Nummern versehen und anschließend transkribiert. Dabei identifizieren und übertragen sie die Flurnamen anhand von Messtischblättern, Flurkarten, Übersichtskarten, Gutskarten und Handzeichnungen. Die Flurnamen werden von (überwiegend) Sütterlin- bzw. Kurrentschrift in die lateinische Schrift transkribiert.

Schritt 2: Anschließend verorten die Gurus die Flurnamen. Hierzu werden die Nummern aus den Fragebögen der Flurnamenforschung als Referenz herangezogen. Die transkribierten Flurnamen werden mittels Google-Maps-API verortet.

Die Herausforderung

Die Herausforderung besteht in der Diversität von Handschrifttypen und der unterschiedlichen Arten von Karten. Gleichzeitig muss auch die Nummerierung für die Verortung schon im ersten Schritt erfasst werden. Diese Voraussetzungen erfordert eine sehr genaue und korrekte Arbeitsweise der Gurus. Zudem fühlten sich viele Crowdworker von diesem Aufgabentypus zunächst nicht angesprochen. Die Gurus mussten also umfassend geschult und motiviert werden.

Die Lösung

Im ersten Schritt wird ein geeignetes Crowdworker-Kollektiv ausgewählt. Dazu werden die Gurus hinsichtlich der schwer lesbaren Sütterlin- und Kurrentschrift geschult und bekommen eine initiale Testaufgabe.

Dabei handelt es sich um die Übersetzung eines einfachen in Sütterlin geschriebenen Rezeptes: Eine Eierpfanne mit Champignons.  Das Ergebnis: 44 von 100 Gurus absolvieren die Testaufgabe erfolgreich.

Die Gurus transkribieren die Flurnamen mitsamt Nummern. Anschließend werden diese durch zahlreiche auf unserer Plattform integrierter Validatoren der Qualitätssicherung geprüft. Sind die Flurnamen korrekt, werden sie daraufhin von den Gurus verortet. Dies wird wiederum durch das Qualitätsmanagement überprüft.

Abschließend findet ein Qualitätscheck durch Senior Projektmanager Björn Rabensdorf statt, der das Projekt bei Crowd Guru leitet. Herr Rabensdorf befindet sich während des gesamten Projekts im engen Austausch mit der Universität Rostock.

Das Resultat

Innerhalb weniger Wochen werden

  • 20.000 Flurnamen transkribiert und digitalisiert (das entspricht 95 % des Gesamtbestandes),
  • 3.600 Einheiten als digitalisierte Seitenobjekte bei der Transkription verarbeitet,
  • 16.000 Flurnamen mit Geolocation verortet.

Nur 5 % der 24.000 Flurnamen können aufgrund unleserlicher Handschrift nicht ermittelt werden. In einigen Fällen helfen sich die Gurus damit, Orte in direkter Nachbarschaft auf der Karte zu identifizieren. So werden einige der Flurnamen hergeleitet. Für 8.000 Flurnamen können keine Geolocation ermittelt werden, da entweder keine Karten oder die Flurnamen mehrfach existieren.

 

Die digitalisierten Flurnamen inklusive Geolocation werden schließlich ins WossiDiA integriert. Die Speicherung der Ergebnisse wird mit dem Graphdatenbanksystem PowerGraph realisiert, welches WossiDiA zugrunde liegt.

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