Crowdsourcing, Crowdinvesting, Crowdfunding – Erklärungen, Gemeinsamkeiten, Unterschiede

Ob innerbetriebliche Aufgaben auslagern, Projekte unterstützen oder in Unternehmen investieren – all das geht heute mit der Crowd. Wir erleben häufig, wie die verschiedenen Crowd-Begriffe Crowdsourcing, Crowdinvesting und Crowdfunding vermischt oder verwechselt werden. Daher möchten wir mit diesem Beitrag ein wenig Licht ins Dunkle bringen und Crowdsourcing, Crowdinvesting und Crowdfunding erklären, sowie die Gemeinsamkeiten und... Read more »
Crowdsourcing,_Crowdinvesting,_Crowdfunding_–_Erklärungen,_Gemeinsamkeiten,_Unterschiede

Ob innerbetriebliche Aufgaben auslagern, Projekte unterstützen oder in Unternehmen investieren – all das geht heute mit der Crowd. Wir erleben häufig, wie die verschiedenen Crowd-Begriffe Crowdsourcing, Crowdinvesting und Crowdfunding vermischt oder verwechselt werden. Daher möchten wir mit diesem Beitrag ein wenig Licht ins Dunkle bringen und Crowdsourcing, Crowdinvesting und Crowdfunding erklären, sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen.

 

Inhalt

1. Einleitung
2. Begriffserklärung Crowdsourcing
3. Begriffserklärung Crowdinvesting
4. Begriffserklärung Crowdfunding
5. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

 

1. Einleitung

Für alle drei Begriffe gilt: Ohne das Internet wären sie unmöglich. Das WWW bildet die Grundlage für alle Crowd-Aktivitäten, die sich hinter den Begriffen Crowdsourcing, Crowdinvesting und Crowdfunding verstecken.

Geschichtlich betrachtet beginnt die Entwicklung Anfang der 2000er-Jahre. Einen ersten Schub erhalten sie 2006, als Jeff Howe vom Wired-Magazin den Begriff Crowdsourcing erstmals publiziert. Dies hat einen direkten Einfluss auf die anderen Begriffe, wenngleich sie teilweise schon früher in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. So startete die erste Crowdfunding-Plattform ArtistShare bereits 2003 und konnte auch frühzeitig Erfolge feiern. Crowdinvesting hingegen ist der „neuste“ Begriff der drei, erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er 2009.

 

2. Begriffserklärung Crowdsourcing

Crowdsourcing wurde erstmals 2006 vom Wired-Magazin in einem Artikel von Jeff Howe erwähnt. Der Begriff bezeichnet das Auslagern von internen Teilaufgaben an eine Gruppe Externer. In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise Adressdaten nicht mehr von den Festangestellten eines Unternehmens recherchiert werden, sondern von der Crowd. Die Vorteile sind eine geringere Bearbeitungszeit und eine bessere Datenqualität bei geringeren Kosten. Neben Adressdaten können beispielsweise auch Recherchen und Texte mittels Crowdsourcing bearbeitet werden. Weiter muss man in bezahltes und nicht bezahltes Crowdsourcing unterscheiden. Bei ersterem hängt die Höhe der Vergütung von der Aufgabe ab – für einfache Recherchearbeiten gibt es wenige Cents, für komplexere Aufgaben auf spezialisierten Plattformen werden auch vier- oder fünfstellige Summen verlangt. Nicht bezahltes Crowdsourcing findet sowohl in kommerziellen Bereichen statt, beispielsweise bei der Einführung neuer Produkte, die von der Crowd mitentwickelt werden, aber auch bei nicht-kommerziellen Vorhaben wie dem Identifizieren von zerstören Gebäuden im Ukraine-Krieg, beim Kartographieren des Amazonas oder als Hilfe für Blinde und Sehbehinderte. Auch gibt es Crowdsourcing, das nicht als solches zu erkennen ist: Die Captchas, die auf Internetseiten des Google-Konzerns eingeblendet werden, nutzt der Internetgigant, um seinen Dienst „Google Books“ zu verbessern. Die Nutzer tippen hier – unwissentlich – Passagen aus Büchern ein, die zuvor nicht erkannt wurden.

 

3. Begriffserklärung Crowdinvesting

Crowdinvesting ist eine Finanzierungsform, hat also einen bereits vom Grundgedanken her komplett unterschiedlichen Ansatz im Gegensatz zum Crowdsourcing. Beim Crowdinvesting wird ein Unternehmen (meist ein Start-Up) finanziert. Das Crowdinvesting erfolgt entweder über die eigene Firmenhomepage oder aber über verschiedene spezialisierte Plattformen, die mitunter eigene Schwerpunkte haben. Insbesondere mit den Plattformen kann eine große Öffentlichkeit erzeugt werden. Crowdinvesting ist daher nicht nur eine reine Investmentform, sondern kann bereits während der Gründungsphase als Publicitymaßnahme gesehen werden. Die Beteiligungen finden meist in Form einer stillen Beteiligung, Genussrechten oder partiarischen Darlehen statt. Besonderes Merkmal des Crowdinvesting ist die niedrige Mindestinvestition. So ist es für fast jeden möglich, mithilfe des Crowdinvesting Anteile an einem Unternehmen zu erwerben. Im Umkehrschluss werden viele Investoren benötigt, um das Startkapital zu akquirieren. Hier ist auch der größte Unterschied zu klassischen Finanzierungsformen ersichtlich: Venture Capital oder Business Angels agieren meist alleine oder in sehr kleinen Gruppen – beim Crowdinvesting hingegen gibt es viele Kapitalgeber. Crowdinvesting als Finanzierungsform ist in Deutschland noch nicht sehr bekannt, wenngleich das Investitionsvolumen steigt. Konnten bundesweit im ersten Quartal 2012 970.000 € über Crowdinvesting eingesammelt werden, waren es im gleichen Zeitraum 2015 bereits 40,9 Millionen Euro.

 

4. Begriffserklärung Crowdfunding

Crowdfunding ist dem Crowdinvesting prinzipiell sehr nahe, es ist ebenfalls eine Finanzierungsform. Allerdings erhalten die Nutzer hier keine Unternehmensanteile. Die Gegenleistung findet in Form von anderen, meist symbolischen Belohnungen statt. Dies können beispielsweise CDs sein, bei Filmen limitierte Poster oder der Name des Unterstützers im Abspann. Mit Crowdfunding lassen sich auch Geschäftsideen finanzieren, der Fokus liegt – spätestens seit dem Aufkommen des Crowdinvesting – aber mehr im Bereich Kunst, Unterhaltung und Gadgets. Bekanntestes deutsches Beispiel dürfte die Finanzierung des Kinofilms „Stromberg“ sein. Innerhalb einer Woche wurde die benötigte Millionen mittels Crowdfunding eingesammelt. Im Musikbereich nutze die Band Public Enemy 2010 Crowdfunding um ihr Album zu finanzieren.
Die investierten Gelder sind beim Crowdfunding zweckgebunden: Die Investition wird genutzt, um ein Produkt, einen Film oder ein Musikalbum umzusetzen. Beim Crowdinvesting hingegen wird grundlegend eine Unternehmensgründung finanziert. Crowdfunding kann, wie auch Crowdinvesting, einen nicht zu unterschätzenden Publicity-Effekt haben.

 

5. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Während Crowdinvesting und Crowdfunding den gleichen Ansatz haben, ist Crowdsourcing inhaltlich mit den beiden Begriffen nicht verwandt. Gemeinsam ist den dreien, dass sie über das Internet umgesetzt werden und eine Vielzahl an Nutzern antizipieren können. Crowdfunding und Crowdinvesting haben den gleichen Ansatzpunkt, Crowdinvesting fokussiert sich dabei auf Unternehmensgründungen, Crowdfunding auf die generelle Unterstützung von Projekten aus allen gesellschaftlich-künstlerischen Bereichen. Bis 2020 soll der deutsche Markt laut einer Delphi-Studie ein Volumen von 359 Millionen Euro aufweisen. Besonders stark wachsen laut der Studie Crowdinvesting und Crowdfunding.

 

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